Ausgabe 19, April 2018

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Eine sich verändernde Bestattungskultur sorgt für Friedhofssterben

Der Friedhof „Zu den Dolinen“ ist nur mühsam mit dem ÖPNV zu erreichen.

Text und Fotos Eduard Urssu

Für den Friedhof „Zu den Dolinen“ in Langerfeld werden keine neuen Grabnutzungsrechte mehr vergeben, das hat der Kirchenvorstand St. Raphael in der Wuppertaler Pfarreiengemeinschaft Wupperbogen-Ost beschlossen. In dem Beschluss wird von „Schließung des Friedhofs“ gesprochen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Friedhof umgehend geschlossen wird. Die vertraglichen Verpflichtungen der bis dahin durchgeführten Bestattungen werden eingehalten. Derzeit wird noch geprüft, ob und wie künftig die Hinzubettungen bei Familiengrabstätten möglich sind. Klar ist, dass komplett neue Gräber auf dieser Anlage nicht mehr ausgehoben werden.

Der Grund für die Schließung des Friedhofs ist kein solitäres Phänomen. Bereits seit vielen Jahren deckt der Betrieb des Friedhofs der Gemeinde St. Raphael die Kosten nicht mehr, so wie bei vielen anderen Friedhöfen in Wuppertal auch, erklärt der stellvertretende Kirchenvorstand Hans-Günter Mittelstenscheidt: „Speziell in unserem Fall bedeutet es, dass selbst weitere Bestattungen nicht zu einem Bilanzausgleich führen würden – im Gegenteil. Der Friedhof ist schon jetzt mit rund 1,3 Millionen Euro überschuldet.“ Und dieses Defizit droht die Rücklagen zu verschlingen. Nicht die Rücklagen des Friedhofs, sondern die gesamten Rücklagen der Gemeinde. Dennoch ist dem Kirchenvorstand St. Raphael die Entscheidung nicht leicht gefallen. Schließlich knüpfen sich an den Friedhof auch viele emotionale Momente, wie bei Hans-Günter Mittelstenscheidt, dessen Familienmitglieder bereits seit 1932 dort beerdigt werden. „Die letzten zehn Jahre schieben wir diese Entscheidung nun schon vor uns her. Um die Zukunft der Gemeinde nicht zu gefährden, haben wir nun diesen Beschluss getroffen“, erklärt er. Unterstützung erfährt die Gemeinde durch das Generalvikariat des Erzbistums Köln. Dieses hat eine genaue Prüfung des Friedhofs „Zu den Dolinen“ vorgenommen und eine düstere Bilanz aufgestellt: Die Friedhofsgebühren reichen nicht aus, um die laufenden Kosten von über 50.000 Euro pro Jahr abzudecken. An eine Erhöhung der Gebühren ist aber nicht zu denken, zu groß ist der Preisdruck anderer, vermeintlich attraktiverer Friedhöfe. Denn in Zeiten einer sich verändernden Friedhofskultur zählen mittlerweile andere Kriterien als bislang. War es vor einigen Jahrzehnten noch entscheidend, dass man in der Nähe der Gemeinde beerdigt wurde, ist heute beispielsweise eine gute Verkehrs-anbindung wichtiger. Zudem geht der Trend weg vom klassischen Holzsarg, bestätigt Bettina Wallbrecher vom Katholischen Friedhofsamt Wuppertal. „Der Trend zur Urne nimmt weiter zu. Es sind mittlerweile bis zu 80 Prozent, die eine Urnenbestattung wünschen.“ Urnenbestattungen brauchen nicht nur deutlich weniger Platz, sie sind auch erheblich günstiger und bringen die Gemeinden dadurch stärker in wirtschaftliche Bedrängnis. Denn während die Friedhofsgebühren relativ stabil geblieben sind, sind die Kosten für Pflege und Instandhaltung der Gräberanlagen, der Friedhofskapellen und nicht zuletzt der Toiletten deutlich gestiegen. Zudem stehen bei einigen Friedhöfen auch noch kostenintensive Sanierungsmaßnahmen an. Unterm Strich können nur zwei der katholischen Friedhöfe in Wuppertal aktuell kostendeckend betrieben werden. Nicht zuletzt deswegen gibt es Bestrebungen, die konfessionellen Friedhöfe in Wuppertal in ein gemeinsames, christliches Friedhofsamt zu überführen. „Daran arbeiten wir bereits seit einigen Jahren“, erklärt Stadtdechant Dr. Bruno Kurth. Maßgebend ist hierbei die Struktur der evangelischen Kirche, die in Wuppertal mit einem zentralen Friedhofsverband 22 Friedhöfe verwaltet und so die Bewirtschaftungskosten deutlich senken konnte. Die 14 katholischen Friedhöfe hingegen sind in Gemeindebesitz. „Hier muss genau geprüft werden, welche Friedhöfe künftig bestehen bleiben und welche notwendigen Investitionen die Gemeinden auf den Weg bringen können. Die Schließung des Friedhofs ‚Zu den Dolinen’ wird sicherlich nicht die letzte Schließung in Wuppertal gewesen sein, leider. Unser Ziel aber muss es sein, dass wir einen Weg für die Zukunft finden können“, sagt Bruno Kurth, der die Langerfelder Gemeinde angesichts ihrer Entschlossenheit bei diesem sensiblen Thema ausdrücklich lobt. Zudem könnte eben diese Entscheidung auch ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Fusionsgespräche zwischen den christlichen Kirchen in Wuppertal sein – zumindest in Sachen Friedhofsverwaltung.

Pfarrverweser Pfr. Ulrich Lemke und Stellv. Kirchenvorstand Hans-Günter Mittelstenscheidt bei einer Begehung des Friedhofs „Zu den Dolinen“.

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